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Abschied vom schweizerischen Lebensplan. Essay

 

Man darf vieles denken, aber nicht alles schreiben, was man über den Blocher-Clan äußern will. Dass diese Familie zuweilen am literarischen Leben teilnimmt und nicht nur am politischen, was mag es sein? Am Ende ist's ein innerer Antrieb, und die Causa, die verhandelt wird, die gleiche: die Schweiz. Andreas Blocher, mittlerweile pensionierter Mittelschullehrer, nimmt den Schweizer Lebensplan unter die Lupe. Und er breitet im Titel Der hölzerne Himmel gleich die Landkarte aus, auf der sich die Schweizer Seele bewegt. Man tut so, als lebe man im Paradies und vergisst darüber hinaus, dass es nicht nur eine Mitte gibt im Leben, sondern auch die Ränder. Aber wo Bewegung ist im Leben, stellt sich der Schweizer naturgemäß quer. Insofern ist Blocher ein literarischer Landvermesser, der die Koordinaten ausmisst, innerhalb derer die Schweizer an ihrem Lebensplan arbeiten.

 

Man darf von Andreas Blochers Essay halten, was man will. Man darf ihm eine verschmockte Sprache vorwerfen, in der Wörter zu Hause sind, die man, gelinde gesagt, nur mit Kopfschütteln zu lesen vermag... Zugleich entdeckt man in dieser barocken und vom theologischen Elternhaus geprägten Gedankenwelt auch Eigentümliches, quer Gedachtes -- und trotzdem taucht immer wieder das Gefühl auf, man hätte dieses und jenes schon einmal gelesen, zumindest aber auch schon für sich selber gedacht. Und natürlich ist auch ein Hinweis auf den Bruder und seine literarisch-intellektuellen Gegenpole zu finden, darunter der verstorbene Max Frisch. Man darf vor Andreas Blochers Buch die Augen schließen, ihn nicht zur Kenntnis nehmen wollen, hielte ich allerdings für ebenso fatal wie ungerecht -- zumal hier ein Autor mit großer Ernsthaftigkeit eine Analyse gewagt hat, deren Schlüsse man ja nicht zu teilen, mindestens aber zur Kenntnis zu nehmen hat. Entdeckungen lassen sich durchaus machen, und es ist besser mit einem Buch das zu tun, wozu es entstand: Es zu begreifen als eine Aufforderung zum Dialog, den man allerdings abbrechen kann, wenn man nicht weiter lesen will. Aber das Angebot sollte man leichtfertig nicht ausschlagen. --Carlo Bernasconi

 

  • HC: 196 Seiten
  • Verlag: Huber Frauenfeld; 2000
  • ISBN-10: 3719312186
  • ISBN-13: 9783719312183

Blocher Andreas, Der hölzerne Himmel

Artikelnummer: 9783719312183
CHF 9.50Preis
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